Interview mit Markus Hujo

Markus,

neuer Name, neue Band oder die alter Wein in neuen Schläuchen?

Ja, zum Teil stimmt das. Die Band hat sich durch Umzüge von Christian (Schlagzeuger) und Marc (Bassist) erneuert. Hinzugekommen ist ja auch Nele für den Backgroundgesang und Flöte. Nun sind wir in der glücklichen Situation, dass Jede/r eine Idee hat und diese einbringt. Dementsprechend entwickeln sich die Songs weiter, sie verändern sich und bleiben nicht in der Rohversion, die ich der Band zu Beginn vorlege.

Zur Ă„nderung des Bandnamens: Na ja, das kam mal kurz zur Sprache… Die Band wollte, dass sie nun eben meinen Namen trägt. Ich bin nicht so eitel, das ich darauf hingewirkt hätte.

Herbert Grönemeyer schreibt erst die Musik und dann den Text, Ina Müller machts umgekehrt. Wie ist es bei Dir?

ei mir sollte zuerst der Text da sein, dann kommt in der Regel die Musik von selbst. Da spreche ich aber nur von mir. Bei Sting weiß ich, dass er auch zuerst die Musik hat, die ihm dann den Text erzählt. Natürlich habe ich auch Melodien oder ein Gitarrenriff im Kopf, aber darauf einen Text zu schreiben, fällt mir schwerer als umgekehrt.

Und warum deutsch?

Ich habe wie viele angefangen und in verschiedenen Coverbands gespielt. Ich kann mich noch an meine erste Musik erinnern: Ich stand in der Küche und habe Geschirr gespült, da kam auf einmal diese Melodie, wie aus dem Nichts. Ich notierte sie und ging damit zu unserem damaligen Gitarristen, von dem ich wusste, dass er Texte in der Schublade hatte. Neil war Engländer, ich suchte mir aus seinem Fundus was Passendes raus, und so kam der erste Song „Time flows“ zustande. Fortan probierte ich aus und schrieb englische Texte. Irgendwann war mir aber der Aufwand zu groß, mit dem Wörterbuch durch die Gegend zu laufen. Max Mutzke schickt seine Texte in die USA zu seiner Lehrerin, um sie prüfen zu lassen. Ich empfand das als sehr umständlich und versuchte es auf Deutsch, was doch wesentlich einfacher in der Handhabung ist, und so bin dabei geblieben.

Was habt Ihr während des Lockdowns gemacht, in der Zeit als man arg eingeschränkt war?

Zunächst mal war ja auch der Proberaum tabu. Gerade in der Zeit fanden wir den Nachfolger für Christian.

Daniel musste sich also noch etwas gedulden, bis er dann im Sommer 2021 so richtig einsteigen konnte.

Ich habe weiter Songs geschrieben und nach einem Bassisten gesucht, weil wir ja wussten, dass Marc im November 21 nach NRW zieht. Kalles Einstieg war speziell: Er brach sich erst mal den Arm. Aber wir haben gewartet, bis er wieder fit war, und es hat sich gelohnt, glaube ich. Na ja, Olli (Keyboards), Daniel und ich trafen uns in dieser Zeit, um Songs auszufeilen fĂĽr den Tag, an dem die Band komplett ist.

Klingt sehr harmonisch, war das immer so?

Nein, natürlich nicht. Wir hatten am Anfang mal einen wirklich guten Bassisten. Technisch einwandfrei und immer gut vorbereitet, leider sozial unverträglich, daher musste er gehen. Das war aber die Ausnahme. Alle anderen Begegnungen gingen im Guten auseinander – auch die mit potenziellen Bewerbern.

Nochmal zurĂĽck zu den Songs, woher kommt der Impuls fĂĽr einen Text?

Das ist unterschiedlich, manchmal habe ich etwas aus der Zeitung aufgenommen, ein andermal ist es eine Beobachtung unterwegs oder ein Thema, das mir schon länger unter den Nägeln brennt. Bei der Musik ist es ähnlich, die kommt aus dem Nichts. Man sollte nur nie den Fehler machen, etwas zu erzwingen, das hört man hinterher auf jeden Fall. Das Publikum, das zu uns kommt, ist in der Regel aufmerksam und weiß, dass wir nicht die Party-Klientel bedienen. Gefeiert wird bei uns auch, aber mit Inhalt.

Inwiefern machen sich durch die personellen Veränderungen die musikalischen Entwicklungen bemerkbar?

Gute Frage, da weiss ich grade nicht, bei wem ich anfangen soll (lacht). Also es ist immer schon mal gut, wenn man jemanden wie den Olli in der Mannschaft hat. Er spielt mehrere Instrumente, hat ein gutes Ohr, bekommt also viel mit und hat ein Gespür für Arrangements. Daniel bringt immer gute Einflüsse mit, was Grooves angeht. Das ist von daher wichtig, weil ich beim Schreiben auf einen Apparat angewiesen bin, der nicht so wahnsinnig viele Möglichkeiten hat und ich daher oft im 4/4 verhaftet bin. Daniel löst das Ganze dann auf, indem er verschiedene Möglichkeiten anbietet und ich einfach nur zugreifen darf. Jürgen ist seit Kurzem als zweiter Gitarrist bei uns. Ich bin immer der Meinung, das, was man selbst nicht gut kann, sollte man delegieren, und ihn haben wir vor allem als Lead-Gitarrist gesucht und gefunden. Kalle ist mit seiner Ruhe und Gelassenheit am Bass der erfahrene Musiker, den ich haben wollte. Man muss so jemandem nicht mehr die Welt erklären, denn das kann ganz schön anstrengend sein. Alle zusammen – so mein persönlicher Eindruck – wollen für jeden Song das Beste herausholen, und das macht einfach nur Freude.

Du kommst mit vorgefertigten Produktionen? Wie muss man sich das vorstellen?

Ich schreibe die Songs zu Hause oder unterwegs und nehme eine Fassung davon auf fĂĽnf Spuren auf.

Das sind in der Regel der Drumcomputer, Bass, Gesang und zwei Gitarren. Das ist schon mal nĂĽtzlich

damit die Band ungefähr weiß, wo es hingehen könnte. Ich bin hin und wieder schon beeindruckt, wie „erwachsen“ die Stücke dann geworden sind. „Reinke am Samstag“ ist z.B. ein Stück, das ich ursprünglich als ´ne Bluesnummer konzipiert hatte und jetzt eher in Richtung Stadionrock geht. Da haben wir aber auch mehr als bei anderen Stücken ausprobiert und waren schon kurz vorm Verzweifeln. Wovon ich nichts halte ist eine Art Diktatur: „So ist das Stück, bitte umsetzen!“ Das funktioniert so nicht, ist meine Überzeugung.

Andererseits mache ich mich bemerkbar, wenn ich das GefĂĽhl habe, jetzt treibt das Schiff aber zu weit ab.

In der Regel funktioniert das bei uns ganz gut.

Wo seht Ihr Euch in einem Jahr?

Dann kann ich hoffentlich berichten, wie unsere Auftritte waren und dass wir viel SpaĂź hatten, vor Publikum zu spielen.

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